Interview mit Dr. Konstantin Koenigs, Vice President Global Deployment Financial Industry

Es gibt noch reichlich Potenziale

 
Heft 6/2011
 
Es gibt noch reichlich Potenziale
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Dr. Konstantin Koenigs, Vice President Global Deployment Financial Industry bei NCR, sieht das Innovationspotenzial im SB-Bereich noch längst nicht ausgereizt.

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NCR

Im Zuge der Finanzkrise sind manche Bereiche in den Geldinstituten ins Hintertreffen geraten. Dazu zählt auch die SB-Technik. Dabei wäre hier noch einiges herauszuholen, meint unser Interviewpartner.

Ist das Thema SB in der Bankenwelt ausgereizt oder gibt es noch Felder für Innovationen?

Dr. Konstantin Koenigs: SB ist noch längst nicht an seine Grenzen gestoßen, es gibt viele Ideen für neue Lösungen; manche Konzepte setzen wir allein um, andere in Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Ein Beispiel hierfür ist der futuristisch anmutende Geldautomat der spanischen Bank BBVA.

Unser Augenmerk liegt auf der Entwicklung von Innovationen, die den Kundenservice verbessern und zugleich bestehende Prozesse für die Geldinstitute erleichtern. Wir sehen uns zum Beispiel als Vorreiter, was die Hybridform zwischen Selbstbedienung und mitarbeiterbedientem System betrifft: der so genannte Interactive oder auch Remote Teller, was so viel bedeutet wie ein „entfernter Schalter“. Hierbei handelt es sich um ein SB-System, das dem Bankkunden Dienstleistungen bietet, die er auch in einer Filiale am Schalter erhalten würde. Diese Dienstleistung ist nach wie vor persönlich, nur steht der Bankberater nicht vor dem Kunden in der Filiale, sondern wird remote an dem SB-System zugeschaltet.

Ich möchte das anhand folgenden Szenarios veranschaulichen: An einem herkömmlichen SB-System identifiziere ich mich mit einer Bankkarte und einer PIN. Gehe ich in eine Bankfiliale, identifiziere mich dadurch, dass ich dort als Konstantin Koenigs bekannt bin oder meinen Lichtbildausweis vorlege. Genauso funktioniert das auch bei dem Remote Teller: Dank Bildschirm inklusive beidseitiger Kamera kann der zugeschaltete Bankangestellte mich nach diesen Kriterien – ich bin bekannt oder zeige meinen Ausweis – identifizieren und nun alle Transaktionen durchführen, die ich auch am Schalter erhalten würde. Falls gewünscht, kann mir dabei immer derselbe, mir bekannte Bankmitarbeiter zugeteilt werden. In den USA und der Türkei laufen bereits Pilotprojekte mit dem Remote Teller an verschiedenen Standorten.

Wo liegen denn für die Investoren in den Geldinstituten noch Potenziale?

Dr. Konstantin Koenigs: Geldinstitute suchen weiterhin nach Möglichkeiten, um ihre Effizienz zu steigern und Kosten einzusparen. Dies können sie zum Beispiel mit dem Ausdünnen ihres Filialnetzes oder der Umwandlung einer herkömmlichen in eine SB-Filiale erreichen. Für solche Fälle ist der Remote Teller interessant, denn er erlaubt einer Bank, ihr Zweigstellennetzwerk bei vergleichbarem Dienstleistungslevel kosteneffizienter zu gestalten und trotzdem eine persönliche Ansprache, Beratung und Durchführung aller Transaktionen zu garantieren.

Wie steht es eigentlich um das Thema Münzen?

Dr. Konstantin Koenigs: Das Thema ist ein Mitläufer, soll heißen: Es ist nicht zu vernachlässigen, steht aber auf der Prioritätenliste der Banken nicht oben.

Und was tut sich bei SB-Konzepten, die gar nichts mit Geldhandling zu tun haben?

Dr. Konstantin Koenigs: Hier sehen wir eine verstärkte Nachfrage nach Cash-Forecasting-Lösungen zur Planung und Überwachung der Bargeldlieferkette, wie wir sie als exklusiver Vertriebs- und Implementierungspartner von planfocus für Groß- und Genossenschaftsbanken anbieten. Gebündelt mit unseren Services entsteht daraus für Banken ein Gesamtkonzept, mit dem sich sowohl kurz- als auch langfristig signifikante Optimierungen bei den Kosten zur Geldversorgung, der Kapitalbindung und der Servicequalität erzielen lassen.

Schließlich: Das leidige Thema Sicherheit. Wie ist hier der aktuelle Stand der Dinge?

Dr. Konstantin Koenigs: Damit sich Verbraucher bei der Erledigung ihrer Bankgeschäfte an SB-Systemen sicher fühlen, bedarf es ganzheitlicher Lösungen, die größtmögliche Sicherheit gewähren und von der Hardware über die Software bis hin zur Überwachung alle Sicherheitsaspekte mit einschließen. Einen solchen umfassenden Sicherheitsansatz stellen wir Banken mit „NCR Secure“ zur Verfügung. In Zukunft wird NCR hierbei mit Hilfe von „IP Video Surveillance“ verstärkt auf Bewegtbilder zur Analyse verdächtiger Verhaltensmuster vor dem SB-System setzen – dazu gehören Vandalismus, Graffiti, die Manipulation von Kameras oder Skimming. Diese Lösung integriert die marktführende Analysesoftware von ObjectVideo und löst bei Vorliegen verdächtiger Konstellationen automatische Warnmeldungen an vordefinierte Organisationen per SMS und E-Mail aus. Eine Großbank in Italien setzt diese Überwachungslösung bereits ein, zwei weitere Banken pilotieren das System.

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