Pro / Axel Janhoff:
Die De-Mail wird sich durchsetzen. Sie ergänzt den physikalischen Briefversand und ist eine sichere Kommunikationsinfrastruktur zum Versand digitaler Briefe mit entsprechender Rechtswirkung, in Deutschland per De-Mail-Gesetz geregelt.
Wir gehen davon aus, dass innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre rund zehn Prozent der Briefe auf diese Weise verschickt werden.
Es ist Spekulation, ob und in welchem Umfang der digitale Brief den physikalischen ablöst (Ja, es wird eine Substition geben.). Oder ob die De-Mail dem Staat ermöglicht, mitzulesen (Ja, der Staat kann unter gesetzlich geregelten Auflagen auch hier mitlesen, genauso wie bei E-Mail und Brief.)
Oder ob Rechnungen jetzt doch nicht per De-Mail versendet werden müssen (Nein, müssen sie nicht, es hat aber viele Vorteile). Oder ob der Empfänger in sein De-Mail-Postfach schauen muss (Ja, wichtige Dokumente sollte er zeitnah lesen, wie bei Papierpost, denn unangenehme Post kommt immer an.).
Was zählt, sind drei große Vorteile. Der Erste ist die Schnelligkeit: Sende ich eine De-Mail fristgerecht ab, kann ich diesen Termin nachprüfbar dokumentieren, auch um 23:59 Uhr nachts. Außerdem erreicht sie den Empfänger schneller als jeder Brief.
Der zweite Vorteil heißt Imagegewinn – banal, aber wer eine De-Mail versendet, zeigt seine Technologieaffinität und kann auf erhöhte Aufmerksamkeit beim Empfänger setzen.
Der dritte Vorteil ist die Kostenersparnis, die dann zu Buche schlägt, wenn digitale Prozesse beim Versender und Empfänger ohne Medienbruch durchgeführt werden und diese nicht extra für den Transport analogisiert – sprich gedruckt – werden müssen. Diese Kosteneinsparungen können teils dramatisch ausfallen.
Contra / Klaus Gettwart:
Seit fünf Monaten ist das De-Mail-Gesetz verabschiedet, seit über einem Jahr dreht sich die Werbetrommel der Deutschen Post für Ihren E-Post-Brief. Unternehmen zögern, Behörden prüfen. Wie viele der angeblich etwa 1,5 Mio. registrierten User neben der Anmeldung auch das Identverfahren abgeschlossen haben, geschweige denn Dokumente verschicken, verraten die Anbieter nicht.
Das kann ja noch kommen, wenn sie in Kürze die Zertifizierung abgeschlossen haben! Mehr Ja, aber Masse Nein. Warum? Zunächst gibt es keine Gründe, dieses Medium wegen seiner Vertraulichkeit zu nutzen. Es gibt ausreichend sichere, einfachere und kostenlosen Alternativen. Ohne aufwendiges Identverfahren, bei dem man persönlich beim Anbieter vorstellig werden muss, um sich für den Service anzumelden.
Bei anonymen Geschäften im Internet oder für die verbindliche Kommunikation mit Behörden ist es jedoch oft wichtig, zu wissen, dass die Kommunikationspartner registriert sind und nicht anonym bleiben. Unter bekannten Geschäftspartnern ist selten strittig, von wem ein Dokument kommt. Bei anonymen Geschäften im Internet ist es jedoch oft wichtiger, zu wissen, mit wem man kommuniziert. Doch der Anbieter im Internet kann das aufwendige Identverfahren der De-Mail seinen Kunden für schnelle Geschäfte nicht zumuten. Er kann dies maximal „schmackhaft“ machen. So lange aber keine konkreten Vorteile für die Nutzer erkennbar sind, wird die De-Mail nur von einer kleinen Zielgruppe eingesetzt. Und noch eines: Kein Medium ist sicher! Letztendlich bleibt es neben rechtlichen Aspekten eine Ermessensfrage und Abwägung von Unternehmen, wie groß der Schaden sein kann, wenn klassische E-Mail-Kommunikation nachträglich angezweifelt wird, im Vergleich zum Vorteil, der vom Kunden akzeptierten und bequemen Kommunikation. Die De-Mail wird in ihrer heutigen Form Nutzer finden, aber nur von wenigen eingesetzt werden. Für den breiten Einsatz gibt es zu viele Alternativen, die bequemer und kostengünstiger sind: Portale, von denen man Daten holen kann. Oder Rechnungen gemäß des neuen Steuervereinfachungsgesetzes, nach dem man Rechnungen, die zur Vorsteuer angerechnet werden sollen, einfach per E-Mail verschicken kann.