Das erste European Electronic Security Barometer 2007, initiiert von Gunnebo, einem internationalen Anbieter von Sicherheitslösungen, beleuchtet den Markt und die eingesetzten Maßnahmen. Ein Ergebnis der durch das französische Beratungsunternehmen Concomitance durchgeführten Studie: Banken investieren auch 2008 in mehr Sicherheit. Im Fokus steht der Ausbau elektronischer Systeme. Weil die Unternehmen historisch bedingt in der Regel mit mehr als einem Sicherheitsanbieter zusammenarbeiten ist Kompatibilität gefragt. Der Trend geht jedoch zu Lösungen aus einer Hand.
Banken agieren traditionell bedingt sicherheitsbewusst. Zu diesem Ergebnis kommt auch die aktuelle Gunnebo-Umfrage unter den Sicherheitsbeauftragten von 167 großen europäischen Unternehmen und Geldinstituten. Allerdings nehmen Sicherheitsverantwortliche in Banken die Sicherheitsfrage deutlich ernster als in anderen Branchen: 82 Prozent der befragten Banken in Europa messen dem Thema höchste Priorität zu, der Objektschutz folgt mit 64 Prozent und der Einzelhandel mit 40 Prozent.
Der Schutz von Kunden und Einrichtungen wird ständig verbessert – und das obwohl die Anzahl der Banküberfälle in den letzten zehn Jahren um deutlich mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. Ein Grund für die ungebrochene Sicherheitssensibilität im Bankgeschäft: Die entwendeten Summen bei einem gelungenen Raub sind nach wie vor enorm. Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamtes spricht eine deutliche Sprache: Allein im Jahr 2006 wurden bei Bankraubdelikten in Deutschland über 14 Millionen Euro erbeutet.
Doch nicht allein der Verlust von Bargeldreserven schmerzt: Den überfallenen Kreditanstalten entstehen hier gravierende Folgekosten wie beispielsweise für die psychologische Betreuung der Opfer, Arbeitsausfälle oder längere Filialschließungen. Besonders belastend ins Gewicht fällt auch der Vertrauensverlust bei Kunden und Mitarbeitern, der durch die Tat entsteht.
Integrierte Konzepte und vernetzte Maßnahmen sind, wenn es um die Sicherheit geht, im Bankgeschäft gang und gäbe: Zur Prävention von Straftaten kombinieren die Finanzinstitute verschiedene technische Lösungen. On Top wird Wachpersonal eingesetzt. Die Ergebnisse des European Electronic Security Barometer 2007 bestätigen, dass insbesondere vielfältige elektronische Sicherheitssysteme für Kreditanstalten ein wichtiger Teil ihres Gefahrenmanagements sind.
Traditionell zu den Basics gehören Alarmanlagen. Heute verfügen alle Banken über derartige Systeme. Das Gros, 95 Prozent der Befragten, sichert sich außerdem über Kameraüberwachung und Zutrittskontrollen ab. Eine weitere Komponente im Sicherheitsmaßnahmenmix ist der Schutz durch Fernüberwachungssysteme, den immerhin mehr als drei Viertel der Geldinstitute in Anspruch nehmen. Die Gunnebo-Untersuchung dokumentiert, dass die allermeisten Kreditanstalten bereits ein hohes Level in puncto elektronischer Sicherheitslösungen vorweisen können.
Einen neuen Trend im Bankgeschäft macht die Studie in der Verstärkung bestehender Systeme aus: Vorhandene Lösungen werden überprüft und weiterentwickelt. So floss ein Löwenanteil der in den vergangenen zwölf Monaten getätigten Investitionen laut Auskunft der befragten Kreditanstalten in den Ausbau und die Modernisierung von Videoüberwachungsanlagen (78 Prozent) und Einbruchalarmen (76 Prozent), gefolgt von Fernüberwachung (64 Prozent).
Die Studie, in der neben den Banken auch der Einzelhandel und der Objektschutz unter die Lupe genommen wurden, beleuchtet auch das finanzielle Volumen des Sicherheitsmarktes in Europa. Ein Viertel der befragten Unternehmen budgetieren zwischen 100.000 und einer Million Euro pro Jahr für ihre Sicherheit, 32 Prozent sogar über eine Million Euro. 16 Prozent geben immerhin bis zu 100.000 Euro aus. Die restlichen 27 Prozent wollten sich allerdings zum Thema Geld nicht äußern oder gaben an, die Budgets nicht zu kennen – in Indikator für die Sensibilität, die Unternehmen hier an den Tag legen.
Bereits 2006 beauftragte Gunnebo Concomitance mit einer rückwirkenden Evaluation des europäischen Gesamtmarktvolumens für elektronische Sicherheitslösungen – die Marktforscher schätzten die Ausgaben in 2005 auf 11,5 bis 12 Milliarden Euro. In Deutschland wurden danach 2,09 Milliarden Euro aufgewandt, um die Firmensicherheit zu erhöhen. Nach Großbritannien mit 2,57 Milliarden Euro ist die Bundesrepublik demnach der größte Markt in Europa. Auf dem dritten Platz folgt Frankreich mit 1,68 Milliarden Euro.
Trotz dieser Summen und der anerkannt hohen Bedeutung der Thematik verfügen laut European Electronic Security Barometer weniger als die Hälfte der befragten Firmen über einen formalen Entwicklungsplan für ihre Sicherheitsmaßnahmen beziehungsweise eine Planung, die mehr als ein Jahr vorausschaut.
Der Sicherheitsmarkt
Der globale Markt für Sicherheitslösungen war im Jahr 2006 laut Marktforschungsgruppe Freedonia rund 108 Milliarden Euro wert. Um die 40 Prozent fallen davon an Europa. Trotz einiger großer Firmenübernahmen und -zusammenschlüsse in den vergangenen Jahren ist der Markt nach wie vor stark fragmentiert. Eine Vielzahl kleiner – oft lokal etablierter – Unternehmen teilt sich rund 80 Prozent des weltweiten Umsatzes. Die restlichen 20 Prozent erwirtschaften die großen Player, darunter Assa Abloy, Tyco International, Honeywell, Siemens und Gunnebo.