Im Jahr 2006 zahlte das Geldtransportunternehmen Heros Gelder seiner Kunden verspätet ein. Durch die damit verbundene Veruntreuung summierten sich die Schäden für Kreditinstitute und Kunden, wie Rewe oder Tengelmann, auf dreistellige Millionenbeträge. Nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp mussten auch die Banken hohe Verluste hinnehmen. Die Citibank sollte nach ddp-Recherchen mit Schäden in Höhe von 80 Millionen Euro rechnen. Auch die Deutsche Bank, die Commerzbank sowie die HypoVereinsbank waren von zweistelligen Millionenverlusten betroffen.
Risikominimierung mit CashEDI Pflicht ab 2013
Ein solches Ereignis rief natürlich auch die Versicherer auf den Plan, die die Schäden der Banken in dieser Höhe kaum regulieren konnten. Dieser und auch weitere Missbrauchsfälle waren Grund genug für die Versicherungsbranche, die Mitwirkungspflicht der Banken und der Werttransporteure drastisch zu erhöhen. Zentraler Dreh- und Angelpunkt in der Bargeldlogistik ist die Deutsche Bundesbank, die den Schritt zu mehr Sicherheit durch die Einführung von CashEDI (Cash Electronic Data Interchange) gewährleisten will. Seit Mitte 2007 bietet sie allen professionellen Bargeldakteuren an, Daten des Geldverkehrs elektronisch auszutauschen. Auf diese Weise können Informationen zu Höhe und Zeitpunkt der Bargeldtransfers parallel zu ihrem tatsächlichen Transport ausgetauscht werden, ein verzögertes Einzahlen wird so nahezu unmöglich macht. Ab dem 1. Januar 2013 wird die elektronisch unterstützte Geschäftsabwicklung mit der Bundesbank grundsätzlich verpflichtend sein. „Indem Ein- und Auszahlungsprozesse mit elektronischen Nachrichten respektive Statusmeldungen unterlegt werden, erhöhen sich neben Transparenz und Sicherheit auch die Effizienz im Bargeldkreislauf“, erläutert die CashEDI-Produktbeauftragte Kerstin Hammer von der Deutschen Bundesbank.
Standards stehen für Effizienz und Transparenz
Die Basis für die CashEDI-Empfehlungen, die die Deutsche Bundesbank mit Unterstützung von GS1 Germany entwickelt hat, bilden die klassischen GS1-Standards für die Identifikation von Artikeln und Partnern sowie für die Kommunikation. Zunächst werden die Geldbehälter mit den aus Handel und Logistik bekannten EAN-Strichcodes GS1-128 markiert, so dass Geldübergaben scannergestützt und damit effizienter abgewickelt werden können. Voraussetzung für die Barcodeerstellung sowie für die gesamte Teilnahme am CashEDI-Verfahren ist der Bezug des Leistungspakets GS1 Complete. Hiermit erhält der Kunde eine globale Lokationsnummer (GLN), die international überschneidungsfrei und auf Filialebene mit den bundesbankeigenen Kundennummern BMS gekoppelt werden. Mithilfe der dann zugeordneten GLN kann jeweils - und zwar für jeden einzelnen Geldtransport eine Nummer der Versandeinheit, kurz NVE/SSCC (Serial Shipping Container Code) generiert werden. Anhand dieser NVE ist jede Geldmenge, jeder Safebag oder Behälter auf dem Weg von oder zur Bundesbank eindeutig gekennzeichnet. Parallel zur Generierung der NVE erfolgt automatisch eine elektronische Lieferavisierung an das Kreditinstitut beziehungsweise an die Bundesbank. Auch hier setzt die Bundesbank umfänglich auf die GS1-Complete-Bestandteile EANCOM und GS1 XML. Zusammen mit der Übernahmebestätigung und der Finalitätsmeldung ist der Geldeingang so zeitnah bestätigt, dass Veruntreuungen und sei es nur für Stunden der Vergangenheit angehören. „Um pünktlich zum 1. Januar 2013 starten zu können, sollten sich Banken und Werttransportunternehmen schon heute mit der Implementierung von CashEDI befassen“, empfiehlt Torsten Erlebach aus dem Zentralbereich Bargeld der Deutschen Bundesbank. „Es kann problematisch werden, wenn sich viele unserer Kunden erst relativ spät für einen Wechsel zu CashEDI entscheiden.
Dabei ist der zeitliche Aufwand für die Implementierung von CashEDI nicht zu unterschätzen“, so Erlebach weiter. Schließlich müssten über 2.000 Kreditinstitute ab 2013 ihre Bargeldtransaktionen mit der Deutschen Bundesbank über CashEDI vornehmen. Zeit kostet dabei vor allem die Analyse und Optimierung des Geschäftsprozesses rund um das Bargeld, weniger die Anmeldung zum Verfahren und der Erwerb der dazu benötigten GLN.
Commerzbank und Deutsche Bank sind heute schon dabei
Die Chance, schon heute die Vorteile von Cash-EDI zu nutzen, haben große Institute erkannt. So nutzen Commerzbank und Deutsche Bank die elektronische Optimierung für ihre Bargeldlogistik bereits erfolgreich. CashEDI ist jedoch nicht nur für Kreditinstitute ein Thema. Auch Wertdienstleister sind gefragt, die eigenen Prozesse auf diese elektronische Basis zu heben. Für die Praxistauglichkeit von CashEDI steht das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte PROZEUS-Projekt der Deutschen Bundesbank mit dem mittelständischen Werttransportunternehmen GEWETRA Pate. Das Unternehmen kann heute nach Einführung mehr als 40.000 Euro Einsparungen für seine Kunden realisieren. „CashEDI ist die zukunftsorientierte Bargeldabwicklung mit der Deutschen Bundesbank und die künftige Kommunikationsplattform. Im Zusammenspiel mit dem bereits erfolgreich implementierten Onlinesystem GEWETRA CashWeb für die elektronische Geldbestellung bedeutet CashEDI einen Imagegewinn und einen Technologievorsprung im Wettbewerb. Damit können wir unseren Kunden sichere und effiziente Kommunikationswege für ihre vertraulichen Daten bieten“, resümiert Marco Sauren, Prokurist von GEWETRA.
Elektronische Bargeldlogistik in ganz Europa auf dem Vormarsch
Für den europäischen Weg der GS1-Lösungen gab es bereits Signale von der Europäischen Zentralbank (EZB), die die GS1-XML-Standards offiziell als elektronisches Datenaustauschformat zwischen den europäischen Notenbanken anerkennt. Damit sind inzwischen auch andere europäische Notenbanken darauf aufmerksam geworden. Frankreich, Spanien und Italien haben sich bereits für die GS1-Standards in der Bargeldlogistik entschieden. Weitere Notenbanken etwa in Österreich und der Slowakei prüfen derzeit die Einführung des GS1-Systems. Um die Implementierung weiter voranzutreiben und auf europäischer Ebene abzusichern, hat GS1 in Europe Anfang 2010 den Startschuss für das Projekt „GS1-Standards for Cash Handling” gegeben. Ziel ist es, die Nutzenvorteile für die Bargeldlogistik noch stärker publik zu machen und die europäische Harmonisierung für den elektronischen Datenaustausch zu unterstützen.
Autor: Sandra Osweiler, GS1 Germany