Interview mit Georg Schürmann, Geschäftsführer der Triodos Bank N.V.

Die Wertegemeinschaft zählt

 
Heft 1/2010
 
Die Wertegemeinschaft zählt
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Georg Schürmann (47 Jahre) ist einer der beiden Geschäftsleiter der Triodos Bank N.V. Deutschland und zuständig für das Privatkundengeschäft. Bevor er im Juli 2009 zur Triodos Bank kam, war er 20 Jahre lang bei der Deutschen Bank im Bereich Privat- und Geschäftskundenbetreuung tätig, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung.

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Triodos Bank N.V.

Die niederländische Triodos Bank N.V. ist nach eigenen Angaben Europas größte Nachhaltigkeitsbank. Mittlerweile zählt das Institut rund 225.000 Kunden. Vor kurzem hat sie eine Niederlassung in Frankfurt am Main eröffnet. Nachdem die Triodos Bank seit Beginn der 90er Jahre von den Niederlanden aus zunächst nach Belgien, Großbritannien und Spanien expandierte, will sie sich nun hierzulande etablieren. Wir sprachen mit Geschäftsführer Georg Schürmann über die weiteren Ziele.

Herr Schürmann, welches waren denn für Sie die ausschlaggebenden Motive von der Deutschen Bank zur Triodos Bank Deutschland zu wechseln?

Georg Schürmann: Nach 20 Jahren bei einem Institut fragt man sich, was man die nächsten 15 Jahre in seinem beruflichen Leben machen möchte. Mich persönlich haben schon immer soziale, christliche Werte stark motiviert und durch meine Familie habe ich mich gedanklich zunehmend mit unserer Zukunft auseinandergesetzt - wie der Planet aussieht, den man seinen Kindern und auch Enkelkindern übergibt. Bei der Triodos Bank kann ich diese privaten Interessen und Ziele auch beruflich verwirklichen. Zudem habe ich die Chance, an dem Aufbau einer Bank in Deutschland teilzuhaben.

Worin bestehen denn die wesentlichen Unterschiede in der Arbeitsweise einer Deutschen Bank und einem Ökoinstitut?

Georg Schürmann: Es ist ein Unterschied, ob sich ein Unternehmen nach den Bedürfnissen der Analysten und einem Quartalsergebnis ausrichtet oder wirklich ganzheitlich denkt und handelt. Bei der Triodos Bank sind Mensch, Umwelt und Wirtschaft wirklich in Balance und es geht um die Maximierung der Nachhaltigkeit.

Was hat Triodos konkret im Privat- und Geschäftskundenbereich vor in Deutschland?

Georg Schürmann: Wir sind im Bereich Privatkunden Anfang Dezember als Direktbank mit zunächst zwei Produkten an den Start gegangen – einem Tagesgeldkonto und einem Sparplan. Im Laufe von 2010 werden wir das Angebot um ein Girokonto und nachhaltige Investmentfonds ergänzen. Im Geschäftskundenbereich bieten wir aktuell Investitionskredite an, auch in Zusammenarbeit mit der KfW, sowie ein Tagesgeldkonto und Termingeld. Im Laufe des nächsten Jahres kommt für Geschäftskunden zudem ein Kontokorrent hinzu. Auch die nachhaltigen Investmentfonds werden dann für unsere Geschäftskunden und hierbei insbesondere für Stiftungen interessant werden.

Worauf achten Sie bei der Auswahl der institutionellen Investoren und Fonds-
produkte?

Georg Schürmann: Institutionelle Investoren kommen auf uns zu, weil sie sich mit den Werten der Triodos Bank identifizieren. So gehören zum Kreis der Institutionen, die sich an unserer letzten Kapitalerhöhung beteiligt haben, insbesondere Versicherungen und Pensionskassen aber auch andere Banken. Bei den anderen Anlageprodukten stoßen wir insbesondere auf großes Interesse von Stiftungen und gemeinnützigen Institutionen. Sie schätzen die strengen, transparenten Nachhaltigkeitskriterien, die wir bei unseren Anlageprodukten, unter anderem den Fonds, anwenden.

Welche Bedeutung spielt das Filialkonzept Sie sind in Frankfurt immerhin mit dem hohen Anspruch gestartet, sich als Hausbank der ersten Wahl für die Privatkunden etablieren zu wollen?

Georg Schürmann: Wir sind eine Direktbank für Privatkunden und diese Strategie werden wir auch weiterverfolgen, da immer mehr Kunden ihr Tagesgeschäft unkompliziert online abwickeln wollen. Mittel- bis langfristig werden wir jedoch zusätzlich über einzelne Zweigniederlassungen in größeren Städten nachdenken, um auch die Nachfrage nach Beratung von Angesicht zu Angesicht bedienen zu können. Auch bei unseren Geschäftskunden ist natürlich räumliche Nähe ein Vorteil.

Was die Konditionen beim Tagesgeld oder Festzinsangeboten angeht, so kann Triodos bislang nicht ganz mit den besten
Direktbanken mithalten. Letztlich ist der Wettbewerb um Kosten- und Nutzenaspekte aber vorentscheidend, wenn es um die Wahl der Hausbank geht, da sich nicht jeder Anleger in der breiten Masse einen „individuellen Renditeabschlag“ für den Ökogedanken wird leisten können?

Georg Schürmann: Unsere Konditionen sind marktüblich und damit transparent. Wir verzichten bewusst auf Lockangebote, die nicht nachhaltig sind, da sie entweder aus dem Marketingbudget bezahlt werden oder mit einem höheren Risiko einhergehen. Wir sprechen in dem Sinne auch primär solche Personen an, die sich bewusst mit unseren Werten identifizieren. Und wie gesagt, unsere Kunden müssen hierfür keinen Renditeabschlag hinnehmen.

Welches ist denn die hauptsächliche Zielgruppe der Triodos Bank in Deutschland. Geht das Augenmerk über die rein ökologisch orientierte Anlegerschaft hinaus?

Georg Schürmann: Die Kunden der Triodos Bank verbinden Werte. Daher denken wir auch nicht in einer klassischen Zielgruppensegmentierung, sondern sprechen von Wertegemeinschaften. Diese Werte sind vielfältig – ein Bewusstsein für Ökologie ist eine Möglichkeit, soziale Aspekte eine weitere, ein persönliches Interesse an Kultur eine dritte. Übergreifend ist jedoch der Wunsch, mit dem eigenen Geld einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten.

Worin unterscheidet sich Triodos vom deutschen Marktführer GLS Bank?

Georg Schürmann: Erst einmal gibt es zwischen der GLS und der Triodos Bank mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Beide Institute blicken auf eine 30-jährige Historie zurück. Beide setzten sich seitdem mit ihren Geschäftsmodellen konsequent für Nachhaltigkeit ein. Was uns unterscheidet ist sicherlich die Rechtsform – die GLS ist eine Genossenschaftsbank, die Triodos Bank eine Aktiengesellschaft, die allerdings nicht börsennotiert ist, sondern von einer Stiftung gehalten wird. Die GLS ist zudem nur in Deutschland aktiv, die Triodos Bank international.

Welche Rolle spielt die Kommunikation mit den Kunden auf Augenhöhe, wie wollen Sie hier ein integriertes Gesamtkonzept herstellen, das auch die Nutzung von sozialen Medien einbezieht?

Georg Schürmann: Die Kommunikation mit unseren Kunden ist für uns von zentraler Bedeutung. Wir wollen es als Direktbank schaffen, einen persönlichen Dialog mit unseren Kunden zu führen. So findet man auf unserer Website nicht nur die Fotos aller unserer Mitarbeiter, damit man sich ein Bild von seinen Gesprächspartnern machen kann, sondern auch Links zu unseren Social-Media-Aktivitäten: unser Blog, YouTube-Kanal, unsere Facebook-Seite sowie unsere 95fragen.de-Website, auf der jeder Fragen aller Art stellen kann, die ihn oder sie bewegen. Im Laufe von 2010 werden wir zudem anfangen zu twittern.


Autor: Lothar Lochmaier

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