Moderne Banksteuerung verlangt nach einer integrierten Controllinglösung. Notwendig ist eine durchgängige Methodik in der Messung des Kundengeschäftsergebnisses und der Steuerung von Zinsbuch sowie von Ausfall- und operationellen Risiken. Die Vorteile liegen auf der Hand: Redundanzen in Datenerfassung und Parametrisierung werden vermieden. Dadurch wird das Controlling effektiver. Um vergleichbare und korrekte Informationen über alle Steuerungsbereiche generieren zu können, muss alles auf einer einheitlichen fachlichen und technischen Basis zusammenlaufen: risikoadjustiertes Pricing in der Vorkalkulation, Aufbau der Cashflows von Einzelkonten und darauf aufbauend auch des Gesamthauses.
Neue Herausforderungen
Darüber hinaus gibt es neue gesetzliche Anforderungen, die eine stärkere Vernetzung von Controlling, Rechnungslegung und Meldewesen notwendig machen. Als Schlagworte seien hier nur die Anforderungen von Basel II an die Eigenkapitalunterlegung, die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) oder die Regelwerke zur Rechnungslegung (International Accounting Standards (IAS) oder International Financial Reporting Standards (IFRS)) genannt.
Die Steuerungssoftware und deren IT-Architektur müssen geeignet sein, Doppelaufwand in der Datenpflege zu vermeiden. Dies geht nur, wenn Methoden soweit wie möglich durchgängig angewandt werden können.
Fachlich sind die Anforderungen an die Gesamtbanksteuerung durch zwei wesentliche Bereiche getrieben: die Steuerung des Ergebnisses auf der einen und die des Risikos auf der anderen Seite. Die Gesamtbanksteuerung muss dabei die Anforderungen der externen, eher auf das Rechnungswesen und das Aufsichtsrecht abstellenden Sichtweise und der internen, sich mehr an betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten orientierenden Sicht vereinen. Dies ist eine große Herausforderung.
In der Ergebnissteuerung besteht die Aufgabe darin, die verschiedenen Komponenten auf die einzelnen Bereiche der Bank verursachungsgerecht aufzuteilen. Der buchhalterische Erfolg der Bank sollte möglichst genau auf die verschiedenen Marktbereiche – Treasury und Eigenhandel – aufgeteilt werden. Dabei sind die periodischen Ergebnisse möglichst genau mit der Gewinn-und-verlust-Rechnung sowie die barwertigen Erträge mit einer IFRS-Bilanzierung abzustimmen. Dies ermöglicht eine vollständige Identität der Ergebnisse. Differenzen müssen aber immer erklärbar sein, zum Beispiel durch bewusst getroffene Unterschiede in den verwendeten Methoden in der internen und externen Sicht. Dies betrifft vor allem die Berechnung von Barwerten, für die in der internen und externen Betrachtung unterschiedliche Zinsstrukturen oder unterschiedliche Methoden der Effektivzinsrechnung verwendet werden.
Effektive Hilfe beim Planen
und Risikosenken
Wie gut die externe und interne Sicht abzustimmen sind, ist auch eine Frage der grundsätzlichen Steuerungsphilosophie. Sofern der Konditionsbeitrag im Kundengeschäft in verschiedene Deckungsbeitragskomponenten wie Standardrisiko- und -stückkosten aufgeteilt werden soll, sind im Rahmen der Parametrisierung Annahmen zu treffen, die zu einer gewissen Unschärfe führen und eine vollständige Abstimmbarkeit erschweren. Sofern bewusst auf die Steuerungsinformationen aus Standardrisiko- und -stückkosten verzichtet wird, fehlen zwar wichtige Informationen für die Gesamtbanksteuerung, dafür ist es in der Regel aber einfacher, das Zinsergebnis auf Gesamtbankebene mit den Ergebnisbeiträgen aus Kundengeschäft und Zinsbuchsteuerung abzustimmen.
Unabhängig von der Steuerungsphilosophie sind neben einer Messung und Verteilung des tatsächlich erzielten Ergebnisses eine Planung und Prognose der Ergebnisse gleichermaßen wichtig. Hierbei sollte es der Anspruch einer IT-Lösung für die Gesamtbanksteuerung sein, Volumen- und Margenplanung ohne großen zusätzlichen Aufwand zu berechnen. Dies gilt idealtypisch nicht nur für die Prognose des gesamten Zinsergebnisses, sondern auch für die Vorausrechnung der Deckungsbeitragskomponenten, die in der Ex-Post-Sicht des Kundengeschäftsergebnisses ermittelt werden.
Auch Risiken sollten zu jeder Ertragsquelle oder zu jeder Komponente des Deckungsbeitragsschemas gerechnet werden können. Zu einer vollständigen Gesamtbanksteuerung gehören somit neben der Berücksichtigung des Zins-, Wertpapier- oder Wechselkursrisikos auch Spread-Änderungen, Adressrisiken, operationelle Risiken und bei einer entsprechenden Geschäftstätigkeit auch Länderrisiken. Einige dieser Risiken erfordern eine vollständig getrennte Datengrundlage. So basiert die Steuerung operationeller Risiken auf dem Aufbau einer Verlustdatenbank und der Risikoinventarisierung. Insbesondere aber die Steuerung von Marktpreis- und Adressrisiken baut auf dem im Bestand befindlichen Portfolio und dem geplanten Neugeschäft auf. In einer integrierten Lösung werden Risiken auf der gleichen Datenbasis wie der Ertrag berechnet. Dabei ist es unerheblich, ob ein Risikomaß wie der Value at Risk verwendet wird oder ob das Risiko im Sinne eines Stress-Testings durch die Modifikation von Inputfaktoren der Wertermittlung erfolgt.
Entscheidend für die Akzeptanz einer Steuerungslösung ist in jedem Fall die angemessene Unterstützung der entsprechenden Prozesse in einer Bank. Durch das fachlich vorangetriebene Zusammenwachsen vormals getrennter Bereiche wie des Ergebniscontrollings und der Adressrisikosteuerung ist auch eine Integration der Oberflächen notwendig. Dies reduziert den Schulungs- und Anwendungsaufwand.
Integrierte Lösungen sparen Zeit und Geld
Am Markt bestehende Lösungen, insbesondere für kleinere und mittlere Kreditinstitute, decken häufig nicht alle technischen und fachlichen Fragen ab. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich eine individuelle Steuerungsphilosophie entwickelt hat, die nicht mit einer Standardlösung bedient werden kann. Kurz- und mittelfristig sind in diesen Fällen daher Satellitenlösungen oder Eigenentwicklungen unvermeidbar. Hier sind personeller und auch finanzieller Zusatzaufwand so gering wie möglich zu halten.
Im Falle einer Individuallösung, die möglicherweise auch nicht integriert läuft, müssen neben dem Betrieb des Gesamtbanksteuerungssystems zwingend die Schnittstellen entwickelt, gepflegt und versorgt werden. Eine integrierte und standardisierte Lösung bietet hier den Vorteil, dass der Aufwand in der Regel auf eine Schnittstelle für Kunden- und Marktdaten beschränkt wird. Hinzu kommt, dass die Schnittstelle auf Grund der Häufigkeit des Einsatzes schneller und effizienter definiert werden kann. Insbesondere in der Wartung und in der Produktion birgt es erhebliche Einsparpotenziale, sich von nicht integrierten oder selbst entwickelten Lösungen zu trennen. Gleichzeitig sinken die operationellen Risiken im Betrieb der Gesamtbanksteuerung deutlich. Somit bestehen neben den inhaltlichen Vorteilen einer integrierten Lösung auch direkte, positive Auswirkungen auf die wesentlichen Bereiche der Gesamtbanksteuerung: den Ertrag und das Risiko.
Ein weiterer Aspekt ist die Revisionssicherheit von Controlling- und Steuerungssystemen. Dieser wird vor allem dadurch erreicht, dass die unterschiedlichen Steuerungsbereiche umfangreich integriert werden. Weniger Schnittstellen zwischen den Vor- und Folgesystemen und der Steuerungssoftware minimieren die Eingriffsmöglichkeit auf die Daten. Ein bedarfsgerechtes Berechtigungssystem sowie eine Protokollierung komplettieren die Anforderung an ein modernes Steuerungssystem, das verlässliche und revisionssichere Ergebnisse liefern soll.
Autoren: Lars Holzgraefe, Leiter Produktmanagement parcIT, und Klaus Wiegand, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters parcIT.