Die Finanzbranche denkt um

 
Heft 2/2009
 

SOA und BPM.Eine landesweite Umfrage unter deutschen Unternehmen zum Einsatz von SOA und BPM zeigt, dass Banken und Versicherungen in diesem Bereich viel weiter sind als andere Wirtschaftszweige. Obwohl der Finanzdienstleistungssektor massive Turbulenzen mit Umstrukturierungen und Zwangsfusionen zu verkraften hat und sich Forderungen nach mehr Transparenz stellen muss, könnte diese Branche schneller als andere wieder auf die Beine kommen.

Ob es eine Revolution, ein Umbruch oder eine Evolution ist, die IT-Branche befindet sich im Wandel. Deshalb befragte die Software AG Topmanager deutscher Unternehmen mit einem Umsatz von mindestens 50 Millionen Euro zu der Zielsetzung, den Prioritäten und dem aktuellen Status ihrer IT-Landschaft im Hinblick auf SOA und BPM.

Serviceorientierte Architekturen (SOA) gelten als das Gestaltungsprinzip zeitgemäßer Softwarelandschaften. Damit sollen mehr Flexibilität für Geschäftsprozesse, kürzere Time-to-Market von Anwendungen, eine bessere Integration durch offene Standards sowie höhere Transparenz und Unternehmenswachstum erreicht werden. Eine SOA bildet auch die Basis für eine durchgängige Prozessgestaltung und ein umfassendes Prozessmanagement. Geschäftsabläufe, ganz gleich, ob innerhalb eines Unternehmens oder über Betriebsgrenzen hinweg, werden transparent, messbar, nachvollziehbar und damit besser zu steuern. Herstellerunabhängige SOA-Governance-Prozesse regeln die Einführung und Gestaltung der flexiblen Architektur und sorgen somit dafür, dass sich die erhofften Ziele auch erfüllen. Eine enge Kooperation zwischen IT und Fachbereichen also das sogenannte „Business Alignment“ gehört ebenfalls zu den angestrebten Zielen. Dies ist keine reine Zukunftsvision mehr: Die Studie gibt an, dass mehr als 80 Prozent der Unternehmen in den nächsten Jahren das Konzept der serviceorientierten Architekturen oder wenigstens Teile davon umgesetzt haben wollen. Die aktuelle Umfrage der Software AG zeigt zudem, dass BPM neben dem seit Jahren aktuellen Thema der IT-Sicherheit der „Rising Star“ in den Organisationen ist: Insgesamt jeder Fünfte sieht hier aktuell eine hohe Priorität. Sieben Prozent halten SOA, zehn Prozent das Architektur-Management für vorrangig wichtig im eigenen Unternehmen. Das zeigt, dass SOA-Projekte nicht immer als SOA bezeichnet werden, sondern unter vielen unterschiedlichen Bezeichnungen laufen.

Die Studie der Software AG macht deutlich, dass Finanzdienstleister bei der Einführung serviceorientierter Architekturen (SOA) und Business Process Management (BPM) anderen Branchen weit voraus sind. „Dies liegt unter anderem auch daran, dass im Finanzdienstleistungssektor IT viel eher als strategisch betrachtet wird als in anderen Wirtschaftszweigen“, stellt Dr. Peter Kürpick, Chief Product Officer der Software AG, fest. „Für Banken und Versicherungen ist IT nicht nur eine Betriebsausgabe, sondern der Schlüssel für mehr Unternehmenswachstum.“ Mit 64 Prozent halten nahezu doppelt so viele Finanzdienstleister als die Gesamtgruppe aller Branchen (36 Prozent) die IT für eine strategische Ressource. Zudem ist für eine Mehrheit von 80 Prozent der Finanzdienstleiter die Flexibilisierung der IT-Landschaft wichtig oder gar sehr wichtig, und das Hauptziel dabei ist, ein besseres Verständnis der IT-Systeme und der Geschäftsprozesse zu erlangen.

Dass Banken und Versicherungen der Flexibilisierung der IT und den Geschäftsprozessen eine so hohe Priorität einräumen, ist nicht verwunderlich, sehen sich doch diese Unternehmen einem immer höheren Druck ausgesetzt, in einer globalisierten Wirtschaft schnell, effektiv und gleichzeitig profitabel zu agieren. Vor allem der Wettbewerb durch Direktbanken im Internet und andere Vertriebskanäle zwingen Finanzinstitute dazu, ihre Geschäftsabläufe schlank und effizient zu gestalten, um ihre Profitabilität zu erhöhen und gleichzeitig ihren Kunden innovative Produkte zu attraktiven Konditionen bieten zu können. Dieser Trend fällt in eine Zeit, in der bestehende Gesetze wie Sarbanes-Oxley, Basel II und MiFID durch neue Regularien ergänzt werden. Diese sollen sicherstellen, dass Reporting, sicherer Handel und sichere Datenverarbeitung auch weiterhin fester Bestandteil jeder Finanzstrategie sind. „Bei der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung gibt es auch heute schon keinen Raum mehr für Fehler. Jeder Prozess und jedes System muss absolut wasserdicht sein, um sicherzustellen, dass nichts undokumentiert bleibt, so dass Kredit- und Marktrisiken auf ein Minimum reduziert werden“, stellt Dr. Kürpick fest.

Um die benötigte Flexibilität und Transparenz zu erreichen, halten 93 Prozent und damit die große Mehrheit der Unternehmen Schlüsseltechnologien wie SOA und BPM für geeignet, da mit ihnen bestehende IT-Investitionen ausgeschöpft werden können. Viele haben bereits Erfahrungen mit diesen Technologien gesammelt, denn mehr als 56 Prozent der Finanzdienstleister arbeiten schon zum Teil mit BPM, und 32 Prozent verfügen bereits über ein umfassendes Prozessmanagement, womit sie andere Branchen weit übertreffen. Auch ist die SOA-Einführungsrate bei Banken und Versicherungen doppelt so hoch wie der Durchschnittswert in anderen Branchen.

Die Studie macht auch deutlich, dass dort, wo der IT-Flexibilisierung eine hohe Bedeutung beigemessen wird, auch die Wichtigkeit einer Roadmap für die Einführung von SOA in einem schrittweisen und gut strukturierten Vorgehen erkannt wird: 68 Prozent der Finanzdienstleister haben für die unternehmensweite SOA-Einführung oder für die SOA-Anbindung zentraler Anwendungen bereits einen Zeitplan erstellt. Nahezu drei Viertel der Unternehmen misst auch IT-Governance eine mittlere bis sehr hohe Bedeutung bei.

Autor: Bärbel Strothmann, Corporate Communication, Software AG

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