Der Servermarkt bleibt spannend.HP setzt weiter auf Alternativen zu Mainframes und sieht
einen Trend zu offenen Systemen. Vor allem in der Finanzbranche will der IBM-Konkurrent neue
Kunden gewinnen. Offensiv ist auch IBM ins neue Jahr gestartet und hat eine neue Generation von Computersystemen angekündigt: eine deutlich erhöhte, skalierbare Rechnerleistung auf einer
x86-Plattform.
HP sieht bei Alternativen zu Mainframestrukturen ein hohes Potenzial. Mainframes gelten als extrem sicher, aber auch als teuer. Vor allem jetzt in Zeiten der Finanzkrise hofft HP, dass sich immer mehr Unternehmen vom Mainframe verabschieden. „Es gibt einen großen Trend hin zu offenen Strukturen“, sagte Andrea Monaci, Enterprise Marketing EMEA von HP. Auf einer Pressekonferenz in London hat HP vor kurzem ein Update seines „Mainframe Alternative Program“ (MFA) gegeben. Vor fünf Jahren wurde das Programm gestartet.
Der Kostendruck und die größer werdende Know-how-Lücke im Großrechnerbereich lasse laut HP immer mehr Unternehmen über Alternativen nachdenken. Außerdem würden sich manche an der Preispolitik des Marktführers stören. Mit dem MFA will HP eine Alternative bieten.
Im EMEA-Gebiet haben laut Herman Eggink, Sales Manager MFA EMEA, rund 60 Prozent der international tätigen Unternehmen Mainframes im Einsatz. 25 Prozent der davon potenziell Umsteigewilligen will HP abgreifen und sie von ihrer Plattformalternative überzeugen. Laut HP könnten Kunden vor allem an den Gesamtbetriebskosten (TCO) sparen bis zu 70 Prozent.
Die Anzahl von 60 Migrationen im vergangenen Jahr soll 2010 verdoppelt werden. Dafür wurde neben dem bestehenden Migrationcenter in Spanien ein zweites in Ägypten mit 200 Mitarbeitern eingerichtet. Eggink sagte auf der Pressekonferenz, dass HP zudem seine Verkaufsabteilung um das Vierfache und die Beratermannschaft um das Dreifache vergrößern werde. Für Kunden würde ein Umstieg vor allem niedrigere Betriebskosten, eine höhere Flexibilität und ein mehr an Service bedeuten. HP versteht sich als riesige Serviceorganisation. Vor allem im Finanzsektor sieht HP eine Vielzahl neuer Kunden. Als Referenzprojekt stellte das Unternehmen die New York Stock Exchange (NYSE) vor. Francis Feldman von NYSE nannte das Rehosting eine rentable Entscheidung. Ein Grund für den Wechsel seien die Kosten beim Mainframe gewesen. Die neue Technologie sei zudem zuverlässig und dynamisch skalierbar. Nach Ansicht von Arie Ossewaarde, Vice President Sales Financial Services Industry EMEA von HP, habe der Finanzsektor ein generelles Problem mit den vorhandenen Strukturen. Sie seien zu komplex, zu starr und hätten zu hohe Wartungskosten. Die Produktentwicklung sei dadurch schwierig und die Produkteinführungszeiten sind zu lang. Anders bei einem System von HP. Es sei offen und daher flexibel, die Produktentwicklung sowie Time to Market seien schneller und die Gesamtbetriebskosten könnten mindestens um 40 Prozent gesenkt werden.
Autorin: Heidi Roider
IBM: Gegenoffensive
Bei den Kosten setzt nun auch IBM an und hat auf der CeBIT neue Server angekündigt, sogenannte eX5-Server. Sie sollen die Wirtschaftlichkeit von Systemen in der Enterpriseklasse verbessern. Laut IBM bekommt der Nutzer damit ein flexibles und skalierbares System, das die Zahl der benötigten Server halbiere und somit Lizenzkosten spare. Möglich mache das eine unabhängige Arbeitsspeicherskalierung. Die Ingenieure entkoppelten den Arbeitsspeicher von seinem traditionellen, eng an den Prozessor des Servers gebundenen Sitz. Dadurch können laut IBM die Arbeitsspeicherressourcen erhöht werden, ohne dass Kunden weitere Server kaufen müssen. Die komplette Serie der x86-basierten Systeme soll gegenüber den bisherigen Systemen die sechsfache Skalierbarkeit bieten. Zusätzlich plant das IT-Unternehmen, vereinfachte Lab-Services anzubieten, um Kunden bei der Migration auf eX5 und der Virtualisierungs- und Datenbankperformance zu helfen.