Interview mit Peter Lorenz-Stark, First Data

Der Markt ist reif für Prepaid

 
Heft 1/2010
 

In einer hinsichtlich der Reichweite bisher einzigartigen Studie hat First Data Konsumenten in Deutschland und drei weiteren europäischen Ländern nach ihrer Einstellung zu Prepaid-Karten befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Produkte zunehmend in das Bewusstsein der Verbraucher rücken.

Aber wie kann die Studie dazu genutzt werden, Finanzinstitute in diesem Bereich zu erfolgreicheren Geschäftskonzepten zu verhelfen? Peter Lorenz-Stark, New Business Manager von First Data Deutschland und Unternehmensexperte für das Thema Prepaid-Karten, gibt Antworten.

Wie schätzen Sie das Wachstumspotenzial von Prepaid-Kartenprodukten ein?

Peter Lorenz-Stark: In jedem der vier Länder übersteigt die Anzahl der Befragten, die in den nächsten zwölf Monaten den Erwerb einer Prepaid-Karte planen, die Anzahl derer, die tatsächlich eine gekauft haben. Dies unterstreicht das enorme Wachstumspotenzial in diesem Markt und zeigt den Wert dieser Karten als Instrument für die Neukundengewinnung.

Wie sieht der typische Prepaid-Kunde aus?

Peter Lorenz-Stark: In der Studie sind nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte der Befragten, die den Kauf einer Prepaid-Karte ins Auge fassen, kreditwürdige Hauseigentümer mit einem Jahreseinkommen von über 40.000 EUR/GBP. Sie bezeichnen sich selbst als finanziell versiert und eifrige Sparer. Damit wird deutlich, dass der Kundenkreis im Markt für Prepaid-Karten weit über die Gruppe der Verbraucher hinausgeht, die aus verschiedenen Gründen nicht der Lage sind ein Bankkonto zu eröffnen.

Und was schätzen die Verbraucher an Prepaid-Karten?

Peter Lorenz-Stark: Für immerhin 55 Prozent der Umfrageteilnehmer ist die Prepaid-Karte eine Hilfestellung bei der Ausgabenkontrolle und dem Management ihrer Finanzen. Marketingbotschaften, die sich auf diese Vorteile und auf die verbreitete Akzeptanz des Angebots konzentrieren, werden von den Verbrauchern sehr wahrscheinlich gut angenommen.

Welche Rolle spielt das Internet in diesem Zusammenhang?

Peter Lorenz-Stark: Das Internet könnte eine ausgezeichnete Ergänzung zu den traditionellen Kampagnen in Geschäften oder Massenmedien darstellen. So gaben 64 Prozent der Verbraucher an, Informationen über Prepaid-Angebote vorzugsweise durch Online-Medien beziehen zu wollen. Für andere Kartentypen liegen die Umfragewerte auf vergleichbarem Niveau. Es besteht also eine klare Möglichkeit, den Verkauf von Prepaid-Karten durch das Internet zu stimulieren.

Ist der Verbraucher bereit, entsprechende Gebühren für diese Produkte zu entrichten?

Peter Lorenz-Stark: Was die Kosten betrifft, akzeptieren die Verbraucher eher Gebühren für punktuelle Aktivitäten – etwa für das Aufladen des Guthabens – als monatliche oder solche, die sofort beim Kauf erhoben werden. Allerdings ziehen 50 bis 70 Prozent der Befragten in sämtlichen untersuchten Ländern eine Anfangsgebühr beim Kauf der einer monatlichen vor.

Wie wichtig ist das Kartenlayout?

Peter Lorenz-Stark: Die Befragung hat gezeigt, dass Konsumenten durchaus bereit sind, zusätzlich für Mehrwertdienste zu bezahlen – etwa für eine individuelle Gestaltung der Karten. Hierin sehen wir ein signifikantes Umsatzpotenzial für Banken und Einzelhändler, die die Einführung von Prepaid-Kartenangeboten erwägen.

Ist der Markt also reif für Prepaid-Karten?

Peter Lorenz-Stark: Absolut! Die Verbraucher bringen solchen Angeboten ein hohes Maß an Neugier und Interesse entgegen – das ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie. Außerdem dienen die Produkte nicht nur als Mittel zur Kundenakquisition, sondern Finanzinstitute profitieren auch von deren Wachstumspotenzial. Banken können ihre Compliance und Detailkenntnis der Vorschriften dazu nutzen, um als Partner von Einzelhändlern aufzutreten. Diese wiederum können durch ihre Marke und als Distributions- und Wiederaufladekanal zusätzliche Werte beisteuern.

Über die Studie

 

Im Rahmen der im Juni und Juli 2009 durchgeführten Untersuchung beurteilten Verbraucher in Deutschland, Großbritannien, Österreich und Italien fünf Prepaid-Kartentypen (Geschenk, allgemeine Ausgaben, Reise, Jugendliche und Überweisung). In jedem Land nahmen mindestens 500 Verbraucher an der Studie teil.

Weitere Infos hier:

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