Bargeld-Handling als Kostenhebel

 
Heft 6/2009
 

Kosten senken, Sicherheit und Transparenz erhöhen.Auch wenn Kostensenkung und Effizienzsteigerung schon immer im Fokus von Unternehmen standen, hat die aktuelle Krise den Blick dafür doch weiter geschärft. Dies gilt auch für Banken, die deshalb verstärkt auf die Automatisierung von Prozessen setzen und bei ihrer Suche nach weiterem Einsparpotenzial Unterstützung von kompetenten IT-Anbietern erwarten.

Als langjähriger und enger Partner von Retailbanken weltweit beschäftigt sich Wincor Nixdorf mit Themen wie der Vereinheitlichung von IT-Infrastrukturen, innovativen Filialkonzepten, der Stärkung der Kundenbindung, Selbstbedienungslösungen und der Automatisierung von Bargeldprozessen. Hier lassen sich durch eine optimierte Steuerung der Bargeldströme, also durch ein umfassendes Cash Cycle Management, nachhaltige Kostensenkungen bei gleichzeitiger Steigerung der Transparenz und Sicherheit erreichen – vor allem wenn die Bargeldkreisläufe über die Grenzen der einzelnen Branchen Banken und Handel hinweg betrachtet werden.

Ausgangspunkt für diese Einschätzung sind umfangreiche, ständig aktualisierte Untersuchungen und Prozesskostenanalysen der letzten Jahre. Parallel zur Zunahme von bargeldlosen Zahlungsvorgängen per Kredit- und Bankkarten ist bei den Verbrauchern der Trend zur Nutzung von Bargeld ungebrochen: In Europa werden acht von zehn Transaktionen bar bezahlt. Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) für den Euro ausgewiesenen jährlichen Steigerungsraten (Anzahl Banknoten) liegen bei neun Prozent und erreichen mittlerweile einen Umlaufwert von 677 Milliarden Euro. Die Umlaufmenge des US-Dollars wuchs zwischen 2000 und 2007 um 42, die des Britischen Pfundes um 50 Prozent. Im Rahmen der aktuellen globalen Wirtschaftskrise gehen Prognosen sogar von einem kurzfristig progressiven Anstieg der Bargeldnutzung aus. Indikatoren dafür sind der steigende Bargeldumlauf und zunehmende Bargeldabhebungen an Geldautomaten.

Absolut betrachtet sind mit der Nutzung von Bargeld hohe Kosten verbunden. Nach einer Studie des European Payment Council liegen die bargeldrelevanten Kosten in Europa bei 50 Milliarden Euro. Eigene Untersuchungen weisen für Deutschland einen Wert von 11,9 Milliarden Euro aus – verteilt auf das Bankensegment mit 4,2 Milliarden Euro und das Retailsegment mit 7,7 Milliarden Euro.

Vor diesem Hintergrund hat die EZB mit dem European Recycling Framework den Banken 2007 mehr Freiraum und Flexibilität bei der Bearbeitung von Banknoten eingeräumt. Das heißt: Der Bargeldkreislauf kann verkürzt werden, wenn gewisse Anforderungen erfüllt werden eingenommene Banknoten können nach einem Echtheits- und Fitnesstest wieder ausgegeben werden. Ein Ergebnis dieses Rahmenabkommens dürfte sein, dass sich weitere Zentralbanken wie vorher bereits die nationalen Zentralbanken von Großbritannien und Spanien schrittweise aus der Bargeldversorgung zurückziehen werden. Während heute noch etwa 80 Prozent des umlaufenden Bargelds zentral gemanagt werden, sollen es künftig nur noch 50 Prozent sein. Diese Neuordnung geht einher mit deutlichen Gebührenerhöhungen für Retailbanken, die der Zentralbank Bargeld zur Bearbeitung übergeben. Sie müssen aufgrund des heute schon deutlich geschrumpften Filialnetzes der Bundesbank in Zukunft mit längeren Anfahrten und damit deutlich höheren Kosten für Transport, Geldbearbeitung und Zinsen rechnen. Das European Recycling Framework sieht vor, dass Institute die Geldbearbeitung an ein zertifiziertes Cashcenter auslagern oder selbst mit eigenem Personal durchführen.

Schon heute machen die Personalkosten beim Bargeld-Handling bankintern allerdings mit mehr als 60 Prozent den größten Kostenblock aus, so dass die Automatisierung von Bargeldtransaktionen den mit Abstand größten Hebel zur Senkung der Kosten im Cash Cycle Management darstellt.

Wincor Nixdorf versteht den Bargeldkreislauf als spezielle Form einer Liefer- oder Wertschöpfungskette (Supply-Chain), bei der es darum geht, ein Produkt (Bargeld) zur richtigen Zeit, in der richtigen Menge und mit dem geringstmöglichen Einsatz an Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Davon ausgehend sollten Rationalisierungsmaßnahmen zunächst dort ansetzen, wo ein Großteil der Kosten für das Bargeld-Handling anfällt: in den Filialen. Ziel muss es sein, das Filialpersonal im Handel und bei Retailbanken von manuellen Tätigkeiten im Umgang mit Bargeld zu entlasten. Im Fokus stehen hier vor allem manuelle Prozesse, bei denen Bargeld nach dem Vier-Augen-Prinzip gezählt, sortiert und verpackt wird.

Ein erster und relativ einfacher Schritt zur Kostensenkung besteht in der Verlagerung personalintensiver Dienstleistungen vom Schalter in die Selbstbedienung. Schon heute setzen Geldautomaten oder automatische Kassentresore mit Cash-Recycling-Funktionalität, die den rechtlichen Anforderungen genügen, den Kern des European Recycling Frameworks um. Sie verkürzen den Bargeldkreislauf schon am Beginn und sorgen dadurch für deutliche Kostensenkungen. Mit Systemen, die eingezahlte Noten nach einer Echtheitsprüfung und einem Fitnesscheck wieder zur Auszahlung bereitstellen, erzielen Banken in einem Jahr Einsparungen zwischen 40.000 und 100.000 Euro in einer Filiale. In einem Projekt, das Wincor Nixdorf mit einer internationalen Großbank durchgeführt hat, konnte durch den Einsatz von Systemen mit Recyclingfunktion die Zahl der Anfahrten von Werttransportunternehmen (WTU) um ein Drittel und die Kosten für die Bargeldbeschaffung um 30 Prozent gesenkt werden. Ein anderer Kostenhebel ist die Sicherstellung der optimalen Befüllmengen und -zeiten. Dafür stellt Wincor Nixdorf schon heute eine Analyse- und Optimierungssoftware zur Verfügung, die diese Intervalle und Mengen für alle Cashpoints (Geldautomaten, Recyclingsysteme, Kassentresore) im Netzwerk einer Bank errechnet und anschließend den Geldbestand und die Bargeldlogistik dauerhaft optimiert. Ein umfassendes Cash Cycle Management geht jedoch weiter. Es zieht die gesamte Prozesskette in Betracht und bezieht auch die branchenübergreifende Bargeldversorgung zwischen Banken und Handelsunternehmen sowie die Verkürzung des Bargeldkreislaufs zwischen Banken und Handelsfiliale in die Überlegungen ein.

Wie das aussehen kann, hat Wincor Nixdorf in einem Projekt mit Shell Deutschland und der Postbank gezeigt. An bis zu 1.300 Tankstellen kann künftig vereinnahmtes Bargeld zur Auszahlung an die Bankkunden genutzt werden. Die Bank verbessert damit ihren Service. Die Tankstellenbetreiber erhalten mehr Transparenz und Sicherheit und eine schnellere Wertstellung des vereinnahmten Bargeldes. Und durch das geordnete Ablegen der Banknoten in geschlossenen Systemen sind die Voraussetzungen für eine effiziente Bargeldlogistik durch Werttransportunternehmen geschaffen. Als Technologiepartner begleitet Wincor Nixdorf den Betrieb der Lösung mit zahlreichen IT-Service-Leistungen. Dazu zählt unter anderem die Verarbeitung und Weiterleitung der Daten für den Zahlungsverkehr aus dem Tankstellengeschäft und für die Abwicklung der Auszahlungen. Außerdem werden fortlaufend Informationen über Bargeldbestände in den einzelnen Cashpoints generiert, um eine optimale Steuerung der Werttransportunternehmen zu ermöglichen.

Weitere branchenübergreifende Modelle und Szenarien sind denkbar. Bargeld, dass in einer Handelsfiliale eingenommen wurde, kann zum Beispiel zur Befüllung nahegelegener Geldautomaten genutzt werden, vorausgesetzt das Bargeld-Handling geht mit intelligenten Systemen vonstatten, die den Bargeldprozess revisionssicher und automatisiert ohne manuelles Umsortieren der Bargeldbestände abwickeln.

Übergeordnetes Ziel eines Cash Cycle Managements muss es stets sein, entlang des gesamten Bargeldkreislaufs für Transparenz, Qualität, Sicherheit und Kostensenkung zu sorgen. Für auf Bargeldprozesse spezialisierte Unternehmen wie Wincor Nixdorf steht daher die Analyse zur Entwicklung individuell optimierter Lösungen am Anfang einer ganzheitlichen Prozessbetrachtung. Auf dieser Basis lassen sich individuelle Optimierungskonzepte erarbeiten, die mit Hilfe entsprechender Hard- und Software sowie einem standardisierten Dienstleistungsangebot den Bargeldkreislauf steuern. Bei Wincor Nixdorf gehen wir davon aus, dass durch solch eine Prozessautomatisierung Kosten in Höhe von mehr als 20 Prozent eingespart werden können. Angesichts der beträchtlichen Kosten, die heute für das Bargeld-Handling aufgewendet werden, ein enormes Einsparpotenzial.