Archivierung auf Spanisch

 
Heft 4/2011
 

Das Beispiel der Bancaja.Was tun, wenn der externe Support für das eigene Unternehmensarchiv eingestellt wird? Das spanische Bankhaus Bancaja beispielsweise hat aus der Not eine Tugend gemacht: Es erneuerte sein bisheriges System von Grund auf und erweiterte es um Funktionen für
den webbasierten Dokumentenabruf. Das Ergebnis: ein komfortabler Zugriff und eine höhere Kundenzufriedenheit.

Mit rund 5.000 Mitarbeitern in mehr als 1.000 Filialen und einem der größten Emissionsvolumen an Wertpapieren gehört Bancaja zu den führenden Finanzinstituten Spaniens. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Archivierung, schließlich gilt es, täglich zig Tausende Bankinformationen zu verarbeiten und rechtskonform zu speichern. Bei Bancaja heißt das: Die Tagestransaktionen werden über Nacht in mehreren Arbeitsläufen in der Datenbank zusammengeführt und die daraus resultierenden konsolidierten Informationen als Geschäftsberichte, Reports, Kontoauszug und dergleichen im Archiv abgelegt. Bis zu fünf Jahren beträgt die Vorhaltezeit. Doch die Archivierung bereitete dem Bankhaus immer mehr Probleme, denn der Hersteller des eingesetzten Archivsystems hatte vor einigen Jahren den Support dafür eingestellt. Eine neue Lösung musste her. Ein System, in das sämtliche Inhalte des bisherigen nahtlos übernommen werden und auf das die Kunden per Internet zugreifen können unabhängig davon, welche Webarchitektur sie besitzen. Die Wahl fiel auf Beta 93, eine auf z/OS-basierende Output-Management-Software (OMS) für die Verarbeitung von hochvolumigen Daten und Dokumenten. Zahlreiche europäische Großbanken arbeiten mit der von Beta Systems entwickelten Lösung. Zum Einsatz kommen zwei Komponenten: die Fast-Retrieval-Applikation für den Zugriff auf das Archiv mit Funktionen wie Indizierung und Smart Caching sowie der Beta Web Enabler (BWE) als „Brücke“ zum Web-Client (mehr zur Technologie siehe Kasten). Ergänzt wird die Software durch das DocBridge Mill Toolkit, eine von der Compart Gruppe entwickelte Anwendung zur Konvertierung von AFP- in PDF-Dateien. Hintergrund ist, dass Bancaja-Kunden, die ihren Kontoauszug online abrufen, diesen bisher nur als reine Textdatei angezeigt bekamen. Diese Darstellung unterscheidet sich aber grundlegend von einem gedruckten Auszug was für viele Kunden ungewohnt und mitunter unbequem ist. Daher sollte das neue Archivsystem, so die Anforderung, den Webauszug im selben Layout darstellen wie den gedruckten. Voraussetzung dafür ist aber die Konvertierung der als AFP-Dateien gespeicherten Dokumente in ein für den Kunden lesbares Format – beispielsweise in das PDF (Portable Document Format).

Zum Verständnis: AFP ist im Massendruck von Rechnungen und Kontoauszügen das am meisten verbreitete Format. Um AFP-Dateien aber im Originallayout anzeigen zu können und nicht nur als Textdatei, benötigen Anwender, die keine AFP-kompatiblen Systeme einsetzen, eine entsprechende Umwandlung in ein für sie lesbares Format. Diese Möglichkeit der Umwandlung bietet das DocBridge Mill Toolkit von Compart. Diese Software unterstützt sowohl eingangs- als auch ausgangsseitig nahezu alle relevanten Datenformate. Für Compart entschied sich Bancaja wegen des fundierten Know-hows für die Optimierung von Datenströmen und Konvertierung von Datenformaten.

Will ein Kunde beispielsweise seinen aktuellen Kontostand abrufen, loggt er sich mit Benutzernahmen und Passwort per Internet in das System ein und fordert die entsprechenden Daten an. Diese Anfrage wird von einem Web-Application-Server als „Download-Anforderung“ behandelt. Dabei nutzt der Server den Beta Web Enabler für den Zugriff auf das Archiv, um so das gewünschte Dokument abzurufen. Die Datei wird anschließend zum separat laufenden Konvertierungsserver übertragen und dort von AFP in PDF umgewandelt. Das konvertierte Dokument geht danach über den Web-Application-Server zurück an den Client.

Wichtig in diesem Zusammenhang: die Datensicherheit. Bei Bancaja werden die relevanten Informationen für die Autorisierung und Authentifikation in einer Datenbank abgelegt. Meldet sich ein Nutzer an, ermittelt der Web-Application-Server die zugehörigen Identifizierungsdaten und fordert bei der Datenbank die Authentifizierung an. Ist sie erfolgreich, stehen die Informationen zur Autorisierung als binäre Objekte (BinaryLarge Object, BLOB) zur Verfügung. Diese Informationen werden über alle Zwischenschichten hinweg an das Archivsystem übermittelt, anschließend erfolgt eine Prüfung, ob der Zugriff auf das Dokument berechtigt ist. In der Software ist dazu ein entsprechender Modus installiert. Bei Freigabe wird das Dokument aus dem Archiv extrahiert und an den Web-Application-Server weitergegeben.

Für Bancaja hat sich der Umstieg auf die neue Archivlösung gelohnt. Kontoauszüge und andere Dokumente werden über den Webclient im selben Format ausgegeben wie im klassischen Druck. Ein weiterer Vorteil: Die Zugriffszeiten haben sich seitdem deutlich verkürzt, was von den Kunden sehr geschätzt wird, wie die steigende Zahl der Onlineabrufe zeigt. Rund 2.500 Webbesuche täglich verzeichnet Bancaja derzeit, mit 10.000 rechnet man in den nächsten Jahren.

Bancaja: Die Technik

 

Bancaja: Die Technik
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Bancaja

Kennzeichnend für die IT-Infrastruktur bei Bancaja sind vor allem drei Systeme:

▷Das auf dem Mainframe basierende TL4-System mit den DB2-Datenbanken und den Bankanwendungen,

▷ein auf Windows basierende internes System, das sogenannte NPO (DCOM-Technologie),

▷ein webbasiertes System für den Kundenzugriff auf alle relevanten Bankinformationen (Bancaja Proxima, BP). Die Lösung setzt auf eine Bea WebLogic-Umgebung auf und basiert auf Unix-Servern.

Hinzu kommt das OMS Beta 93 mit den Komponenten Beta Fast Retrieval (Beta 93 FR) und dem Beta Web Enabler (BWE), basierend auf Java 2 Enterprise Edition (J2EE). Der BWE bietet eine webbasierte Benutzeroberfläche für alle Produkte der Beta-93-Reihe. Dabei kommen verschiedene Technologien wie Open Source Web, Application Server, Tomcat und JBoss zum Einsatz. Für den Betrieb in einer Beta WebLogic-Umgebung und die Bereitstellung von Funktionen für die Konvertierung musste diese Lösung entsprechend angepasst werden.

Außerdem ersetzte man die standardmäßige Benutzeroberfläche des BWE durch die des BP-Systems, die wiederum an die neue Archivfunktionalität von Beta 93 FR angepasst wurde. Bedingung war, dass der Zugriff auf den Beta Web Enabler über eine API-Schnittstelle (Application Programming Interface) erfolgt. Dazu modifizierte man die vorhandene WIF-Schnittstelle mittels der neuen J2EE-Technologie. Ergänzt wird die neue Architektur durch das DocBridge Mill Toolkit für die Konvertierung von AFP nach PDF.

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