Alle Daten im Griff

 
Heft 1/2011
 

Was Banken von der Logistik lernen können.Auf den ersten Blick stammen Banker und Logistiker aus verschiedenen Welten: Die einen versorgen die Welt mit Geld, die anderen mit Waren und Rohstoffen. Doch eines haben sie gemeinsam: Sie treiben die Globalisierung voran, ihre Positionen sind ständig im Fluss und sie stehen kontinuierlich vor der Aufgabe, die richtigen Entscheidungen
zu treffen. Wichtiger als alle anderen Faktoren sind dabei Informationen, die auf vollständigen und präzisen Daten basieren.

Denn nur mit zeitlich und inhaltlich aktuellen Informationen können richtige Entscheidungen getroffen, Risiken zutreffend eingeschätzt und Wettbewerbsvorteile erzielt und genutzt werden. Da Informationen für Logistiker stets mit realen Gütern verknüpft sind, liegt es für sie eher auf der Hand, die Erfahrungen ihres operativen Geschäfts auch auf das Gut „Information“ selbst anzuwenden. Von diesen informationslogistischen Prinzipien können auch Banken profitieren.

Heute fließen Daten nicht nur wesentlich schneller um den Globus, auch ihr Volumen hat enorm zugenommen. So wurden allein in den letzten drei Jahren mehr Daten erzeugt als in den 40.000 Jahren zuvor – und ein Ende der Beschleunigung ist nicht in Sicht. Davon betroffen sind vor allem die Unternehmen, deren wichtigstes Kapital Informationen sind. Für sie wird das „Beherrschen“ von Daten sowie deren schnelle und zielgerichtete Analyse erfolgsentscheidend: Die richtigen Informationen müssen in der richtigen Granularität und zum richtigen Zeitpunkt bei dem richtigen Entscheider vorliegen. Diese Tätigkeit ist im Kern ein logistischer Prozess, auf den sich Prinzipien der Logistik anwenden lassen.

In der Logistik spielt neben den eigentlichen operativen Abläufen die Analyse von Daten eine zentrale Rolle. Erst durch automatisierte Frühwarnungen, detaillierte und schnelle Ursachenanalysen sowie Risikobewertungen wird die Transparenz geschaffen, um Kernprozesse kontinuierlich zu optimieren oder ein System ereignisorientiert zu steuern. Je schneller und zielgerichteter diese Analysen ablaufen, umso besser lässt sich das logistische System beherrschen. Ein perfektes Zusammenspiel führt zu einem „Closed Loop“ zwischen Analyse und Operative, so dass Entscheidungsabläufe auf allen Ebenen beschleunigt und verbessert werden. Voraussetzung ist aber, dass alle Beteiligten auf dieselbe konsolidierte Datenbasis zugreifen. Diese lässt sich insbesondere mit analytischen Systemen wie beispielsweise Data Warehouses von Teradata bereitstellen und zur Unterstützung von zeitnahen konsistenten Entscheidungen nutzen.

Banken, deren wichtigste Ressource Informationen sind, können eine Vielzahl an logistischen Lösungsprinzipien adaptieren. Eines der wichtigsten Prinzipien ist die Verbindung von Prozessen und die Integration und Konsolidierung von Daten. Denn diese einheitliche Sicht bringt mehr Transparenz, die insbesondere im Risikomanagement oder im Kundenbeziehungsmanagement dringend benötigt wird. Denn hier geht es um die Übersicht des gesamten Wertschöpfungsprozesses – von der Kundenansprache über das Risiko- bis zum Finanzmanagement.

Bislang ist beispielsweise der zeitnahe vertikale Durchstich über alle Datenebenen für das Management von Banken kaum möglich – obwohl dies aus unterschiedlichen Gründen zwingend notwendig wäre. Allein Vorschriften wie das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) oder die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) zwingen Institute dazu, integrierte, bereichsübergreifende und granulare Daten vorzuhalten. Doch schon aus ihrem eigenen Interesse sollten Banken eine solche Datenbasis aufbauen. Denn wenn sie diese mit Data Warehouse-Systemen flexibel und schnell auswerten, können sie sich von Wettbewerbern differenzieren. Diese Agilität wird immer mehr zu einem wettbewerbsdifferenzierenden Faktor, da neue Akteure wie PayPal und andere Online-Communities mit ihren informationslogistischen Ansätzen in den traditionellen Bankenmarkt vordringen.

Neben der „operativen Welt“ der Kernbanksysteme ist es daher erforderlich, eine „analytische Welt“ aufzubauen. Damit werden nicht nur die Systeme entlastet, die bislang für die Operative herangezogen wurden. Aufgrund der integrierten Daten lassen sich auch eine Vielzahl weiterer Analysen durchführen, die meist über mehr Potenzial als die bisherigen verfügen. Beispielsweise können Banken permanent prozess- und finanzrelevante Kennzahlen sowie rollierende Umsatz- und Kostenvergleiche berechnen. Darüber hinaus kann über diese kontinuierlich ermittelten Detailkennzahlen ein „Fast Closing-Prozess“ angestoßen werden. Zudem lassen sich basierend auf den eigenen Geschäftsregeln Risiken wie Verschiebungen der Umsatzstruktur und des Marktes oder Fehlentwicklungen im Cashflow automatisch und damit frühzeitiger erkennen. Diese Potenziale lassen sich aber nicht von heute auf morgen realisieren. Hier gilt die Devise „start small, think big“. Ein Erfolg ist nur gewährleistet, wenn die Geschäftsseite dabei eng mit der Informationstechnologie zusammenarbeitet und eine gemeinsame Zielvorstellung zur Herausforderung „Informationslogistik“ vorliegt.

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MaRisk-Novellierung

 

Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement für Banken (MaRisk [ba]) verpflichten die deutschen Kreditinstitute u.a. zur Erhebung und Dokumentation verschiedener risikorelevanter Daten. Durch die Neugestaltung der Anforderungen an das Risikomanagement im vergangenen Jahr wurden einige der bereits bestehenden Regelungen weiter verschärft: Die „MaRisk 2010“ sehen Änderungen u.a. in den Bereichen Risikotragfähigkeitskonzept, Strategieprozess und Risikostrategie, Stresstests, Berücksichtigung von Risikokonzentrationen sowie Liquiditätsmanagement vor.

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