87 Prozent Misstrauen

 
Heft 3/2009
 

Was den meisten Bankern eigentlich schon klar war, wird jetzt durch eine Studie untermauert: Die deutsche Bankenbranche hat infolge der Finanzkrise bei den Verbrauchern einen tiefen Vertrauensverlust erlitten. Waren es 2008 noch 70Prozent der Befragten, die der Bankenbranche ihr grundsätzliches Vertrauen verweigerten, sind dies nun 87 Prozent. Ähnlich beurteilen sie auch die Kompetenz der Mitarbeiter: Die Aussage, „Bankangestellte wissen generell nicht so viel, wie sie wissen sollten“, wird von 60 Prozent der Kunden bejaht. Die Zahlen stammen von einer aktuellen Untersuchung des „MRI Vertrauensbarometers Deutschland“. Befragt wurden deutschlandweit rund 750 Privatkunden.

Zu den niederschmetternden Werten dieser Studie passt unmittelbar das Ergebnis folgender Untersuchung: Danach glauben nur ein Drittel der Finanzdienstleister, dass die bestehenden Risikomanagement-Systeme den künftigen Aufgaben ihrer Branche gewachsen sind. Neben der schlechten Datenqualität seien mangelhaftes Fachwissen sowie die fehlende Risikokultur die größten Hindernisse. Dies hat eine weltweite Umfrage im Auftrag von SAS unter 334 Führungskräften ergeben.
Nur bei 40 Prozent der Befragten ist das Bewusstsein für die Bedeutung des Risikomanagements verankert.

Die Befragten sind davon überzeugt, dass die Umstrukturierungen im Risikomanagement weitreichend sein werden. Mehr als die Hälfte gab an, dass sie ihr Risikomanagement bereits grundlegend auf den Prüfstand gestellt hätten oder dies beabsichtigten. Dabei zielten sie auf eine Verbesserung der Datenqualität und -verfügbarkeit, eine Stärkung der Risk-Governance, eine Verschiebung hin zu einem unternehmensweiten Ansatz im Risikomanagement sowie auf die engere geschäfts- und prozessübergreifende Integration der Risiken. Alle Abteilungen der Finanzdienstleister und nicht nur die für die Kreditvergabe verantwortlichen Mitarbeiter müssen wissen, wie ihre Entscheidungen die Risikoexposition ihres Unternehmens beeinflussen. Um dies zu gewährleisten und generell Vertrauen zurückzugewinnen, bedarf es unter anderem ausgefeilter IT-Systeme, wie wir sie zum Beispiel in unserem Top-thema vorstellen.

Aber auch die persönlichen Beziehungen zwischen Berater und Kunde müssen noch deutlich verbessert werden. Dazu sind adäquate Vertriebs- und Geschäftsstellenkonzepte nötig. Wir haben kurzlich vier vorbildliche Projekte als „Geschäftsstelle des Jahres 2009“ ausgezeichnet. In diesem Heft erfahren Sie das Ergebnis des Wettbewerbs. Eine interessante Lektüre wünscht

Ihr Erwin Ströbele

Filialkonzepte

 

Die Redaktion plant eine Veranstaltung, auf der die Preisträger des Wettbewerbs „Geschäftsstelle des Jahres 2009“ vorgestellt werden. Der Termin soll Ende September direkt beim Preisträger in der Kategorie „Bestes Hauptstellenkonzept“, der Sparkasse Leverkusen, stattfinden. Interessiert? Weitere Infos demnächst auf unserer Webseite!