40. Bankenfachtagung in Rottach-Egern.Einmal im Jahr, gegen Schluss des vorletzten Monats, gehört das malerisch am Tegernsee gelegene Rottach-Egern Wincor Nixdorf und seinen Gästen. Und das nun schon seit vier Jahrzehnten. Was einst mit knapp 30 Teilnehmern begann, ist heute ein exklusiver Fachevent mit mehr als 300 Teilnehmern und hohem Informationswert.
Begonnen hatte das Ganze noch als „EDV-Seminar für Führungskräfte der Kreditwirtschaft“ mit Siemens als Veranstalter. In den 90er Jahren kam dann die Siemens-Nixdorf-Ära. Und Wincor Nixdorf hat es vor einem Jahrzehnt nach Übernahme des Unternehmens geschickt verstanden, den traditionsreichen Event nicht nur fortzuführen, sondern um zusätzliche Highlights zu bereichern. Hierzu zählen beispielsweise die „Rottacher Gespräche“, welche in Workshopform eine offene Diskussion mit Fachexperten und Kollegen aus der Bankenwelt ermöglichen. „Zurück zu neuen Werten. Investieren in Chancen“ so lautete das Motto der diesjährigen Tagung. Womit angesichts der immer noch virulenten Krise ganz sicherlich gemeint war, den Blick nach vorn zu richten und die Möglichkeiten der Zukunft auszuschöpfen. Hierzu zählen ganz selbstverständlich Themen wie eine verbesserte Kundenansprache, das Verbessern der Prozesse und damit insgesamt eine gesteigerte Wertschöpfung. Fragestellung auch: Was können Geldinstitute von den Kundenbindungssystemen anderer Branchen lernen? Wie sind diese in die Welt der Banken adaptierbar? Welche Faktoren muss ein Institut bei der Integration zusätzlicher Angebote besonders in den Kanälen Filiale und SB beachten?
Unter der exzellenten Moderation des bekannten Fernsehjournalisten Ulrich Kienzle gab es denn auch herausragende Fachreferate aus der Praxis für die Praxis, mit präzisen Antworten auf die anstehenden Fragen. So zum Beispiel von Claus-Dieter Toben (GAD), der den Begriff Kundennähe neu interpretierte. Oder auch Hans Josef Schmitz (S-IMK), welcher das Paypack-System „s-points“ vorstellte, das offensichtlich bereits reichlich Anhänger findet. Und schließlich Stefan Trägler von der Landesbank Berlin, den wir nach seinem Vortrag über Prozessmanagement schon jetzt einladen möchten, sich an unserem neuen Wettbewerb „Best Process Award“ zu beteiligen.
Am zweiten Kongresstag ging es dann noch um Themen wie „Mit IT die Krise bewältigen“, vorgetragen von PAC-Chefanalyst Christophe Ch´a`lons, oder „Kundenzugang im Multikanalansatz der Postbank“, erläutert von Postbank-Vorstandsmitglied Dr. Michael Meyer. Und was Innovation in der Krise bedeutet, machte zum Schluss des Fachprogramms Dr. Hans-Martin Kraus, Mitglied des PBC Executive Committee Deutschland (Deutsche Bank), klar. Ein besonderes Highlight zum Abschluss der Jubiläumstagung bildete die Rede des ehemaligen Bundesministers der Finanzen, Peer Steinbrück.
Qualität, Erfahrungsaustausch, Tradition
Bleibt die Frage: Was übt auf die Führungskräfte von Banken und Sparkassen, die bekanntlich immer unter Druck stehen und nie richtig Zeit haben, eine so offenbar magische Anziehungskraft aus, sich zwei Tage Auszeit am Tegernsee zu nehmen? Das Tagungsprogramm ist stets gelungen, die Referenten hochkarätig und praxisnah schon richtig. Aber gibt es das nicht auch anderswo, zum Beispiel eine Woche vorher auf der „EURO FINANCE WEEK“?
Man wird wohl vergebens darüber rätseln, ob das an dem stets geschickt aufbereiteten Mix aus Fachprogramm und jedes Mal sehr ansprechendem gesellschaftlichem Rahmen oder einfach an der langjährigen Tradition liegt. Manche Tagungsteilnehmer sollen sich schon seit drei Jahrzehnten kennen. Was zählt, ist die Tatsache, dass dieser Event nach 40 Jahren lebt und mit ständig neuen Impulsen auch in Zukunft ein Magnet bleiben wird. Und so darf man abschließend Vorstandsmitglied Stefan Auerbach und seiner Mannschaft gratulieren zu diesem einzigartigen Erfolg.